(Dr.Eisenbarth ein Scharlatan?)
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Scharlatanerie ? |
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Von Grete De Francesco, Mailand Johann Andreas Eisenbarth (1661-1727), den Deutschen zum Begriff geworden wie Tabarin den Franzosen, war nicht nur, wie sein Bild vermuten lässt, ein gescheiter Mann und wie zeitgenössische Urteile bekräftigen, ein guter Operateur, sondern vor allem ein Genie der Propaganda. Handel mit Parfümeriewaren oder Amuletten hat er nie betrieben, er ist ein Mediziner, der nicht fertig studiert hat. (Richtig: Die Chirurgie wurde damals noch bei Badern und Wundärzten erlernt) Er soll in Viechtach ( Richtig: Oberviechtach ) bei Regensburg geboren sein und ist in München ( Richtig: Hannovrich - Münden) gestorben. Ausgebildet wurde er bei dem privilegierten Okulisten Biller in Bamberg, 1686 prüfte ihn in Altenburg der fürstliche Leibarzt Dr. Klander. Es wurde ihm bescheinigt, dass er, was Augenkuren, Stein-, Krebs- und Bruchschneiden betrifft, zur Genüge erfahren sei. Für diese Spezialgebiete erhielt er ein Privileg, Kuren durfte er nicht ausführen, Apothekerwaren nicht feilhalten. Wir wissen, dass Eisenbarth großen Zulauf hatte, ein wohlhabender Mann war, der Wagen, Pferde und ein stattliches Haus besaß, einen Sekretär und reichlich sonstiges Personal beschäftigte und vom Kurfürsten von Hannover 4200 Taler Jahresgehalt zugesichert erhalten hat. Viel mehr als diese Tatsachen sagen aber Eisenbarths Reklamezettel über ihn aus, und sie mögen zu dem bekannten Liede Anlass gegeben haben, das sonst wenig mit Eisenbarths wirklicher Gestalt zu tun hat. |
Diese Reklamezettel sandte der Doktor Eisenbarth, der keinen Doktorgrad erworben hatte, in die Städte voraus, in denen er seine Bude aufzuschlagen gedachte, und erwies sich so als eine Art Zeitungsverleger in eigener Regie. Er kannte die Macht der Ziffern. 30 Jahre praktizierte nun der hochberühmte Medikus, 1000 Blasensteine und 2000 Kröpfe habe er in diesen 30 Jahren operiert, so stand zu lesen. Er wusste auch, wie sehr Titel wirken, besonders auf seine Landsleute, und er kaufte sich 1717 den Hofratstitel für 200 Taler. „ Der berühmte Zahnarzt etc. Eysenbarth ist Hoffrath worden" las man in der geschriebenen Berlinischen Zeitung, und der Autor setzte hinzu, dass Eysenbarth „hievon profitieren wolle". Er verstand, und das war völlig neu, sich der Zeitung zu Reklamezwecken zu bedienen, und in der Vossischen Zeitung von 1724 kann man unter andern Anpreisungen seiner Fähigkeiten das Lob seines wunderwirkenden und doch recht wohlfeilen Haupt-, Augen- und Gedächtnis-Spiritus finden. Am meisten aber erfährt man über Eisenbarth aus einem grotesken Skandal, dessen zufälliger Gegenstand er 1704 in Wetzlar, wo sich das Kammergericht befand, wurde. Zwei wegen hochpolitischer Gründe verfeindete Parteien gerieten einander in die Haare, als Eisenbarth seine Bude auf dem Markt aufgeschlagen hatte. Von der einen Partei wurde gegen die andere, Erlaubnis gebende, Anklage erhoben. |
Bemüht wurde - der Kaiser selbst. „ Allergnädigster Kayser, und Herr Herr ", schreibt der „Allerunterthänigster Treu-gehorsamster Friedrich Ernst Graff zu Solms: ... als an welchen Tag ein Jahr-Marckt allhier gewesen, auffgerichtet sich befunden, worauf ein Marck Schreyer nicht nur Artzney verkaufft hätte, sondern auch fast alle Tage Comoedien daselbst gespielet, und auf dem Seil getantzet worden wäre, ja es seye bey der ersten Comoedie oder Schau-Spiel ein Gerichts-Proceß, und andere dergleichen Dinge, vorgestellet worden, dabey der Richter mit einem Scepter gesessen, sich corrumpieren lassen, mit dem Harlequin den Richter-Stuhl und Kleydung verwechselt, und endlich den Harlequin zu hencken, das Urtheil gefällt ..." Aus der Antwort der Gegenpartei: „ ... übrigens pflegen ja alle Ärzten und Marckschreyer dergleichen zu thun um die Leute desto füglicher an sich zu bringen ...". Eisenbarth versteht als echtes Propagandatalent sogar in seinem Rechtfertigungsschreiben Reklame für sich zu machen: " Ich Johann Andreas Eysenbarth, Kayserlicher- auch verschiedner Chur- und Fürsten hoch privilegierter Medicus und Operator, thue hiemit bekennen und attestieren, dass ohnlängstens meine 2 Diener von Cassel anhero nach Wetzlar auf Johannis Jahr-Marck alda der Gewohnheit nach meine Profession armer Patienten zu Trost zu exercieren, abgeschicket"... Man sieht, auch Eisenbarth will nichts als Trost spenden, auch er ist Wohltäter der Menschheit, die er kuriert, die er ... verführt. |
01.06.2010